“Kronprinz Rudolf als Naturforscher in den Donau-Auen”

Der „Kronprinz-Rudolf-Hype“ ist für das 2008er Jahr vorprogrammiert. Was den einen die Fußball-EM, ist den anderen das Mysterium „Rudolf“: Schönbrunn, Mayerling, Laxenburg, Hofmobiliendepot, Gödöllo…, um nur einige Destinationen zu nennen, liefern sich heuer einen Wettbewerb darum, wer die sensationellsten Exponate zeigen wird.
Kronprinz Rudolf ist am 21. August 1858 in Laxenburg als Sohn von Kaiserin Eilsabeth und Kaiser Franz Joseph I. zur Welt gekommen, am 30. Jänner 1889 schoss er sich in Mayerling eine Kugel in den Kopf. Was alles dazwischen lag, wird im heurigen Jahr für den Interessierten eine spannende „Spurensuche“. Schloss Orth an der Donau war einer der vielen Aufenthaltsorte von Rudolf auf seiner Lebensreise.
Rudolf war ein begabter Beobachter und Schriftsteller, gerne hielt er sich in den Donau-Auen unterhalb Wiens auf. Das ehemalige kaiserliche Jagdgebiet ist heute Nationalpark. Schon früh übte er sich in Aufsätzen über Beobachtungen von Vögeln in der Natur und verfasste etwa als Zwölfjähriger eine hundert Seiten lange Schrift “Adlerjagden”. Besonders mit Alfred Brehm pflegte er von Jugend an Kontakt. Rudolf und Brehm werteten gemeinsam Jagdbeute wissenschaftlich aus, maßen die Spannweiten der erlegten Vögel, untersuchten die Färbung von Federn und Krallen, schrieben alle Werte in langen Tabellen, ereiferten sich über Mischformen, stritten sich gelegentlich wegen unklaren Zuordnungen. Die Ergebnisse dieser Forschungen fanden sehr häufig in schriftlicher Form Niederschlag: z.B. in einer Unzahl von ornithologischen Schriften und Büchern wie etwa “Fünfzehn Tage auf der Donau” (Wien 1878) oder dem als “Kronprinzenwerk” bekannten Sammelwerk “Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild” (Wien ab 1885).
Im Fokus der Schau stehen Rudolfs Texte, die einen besonderen Bezug zu den Donau-Auen aufweisen. Diese Beschreibungen bilden heute wunderbare Grundlagen zu Vergleichen, wie etwa die Veränderung der Landschaftsstruktur, die Artenvielfalt aus ornithologischer Sicht in den Donau-Auen unterhalb Wiens vor rund 120 Jahren und heute (um nur wenige Beispiele zu nennen). Seine Beschreibungen geben ebenso einen tiefen Einblick in das Alltagsleben der Vergangenheit, und zeigen schon einen tief einschneidenden Strukturwandel, den der Kronprinz wahrnehmen konnte. Seine Erkenntnisse stellen einen unschätzbaren Wert für uns heutige dar, um einen geschichtlichen Bogen zu spannen.
Der Besucher der Ausstellung wird eingeladen, aktiv Natur wahrzunehmen. Rudolfs Reflexionen dienen dabei als Denk- und Meditationsanstöße. Die Detailansichten beziehen sich nicht allein auf die Texte Rudolfs, sondern auch darauf, wie man damals (in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts) Natur wahrgenommen hat und im Vergleich dazu – heute- wahrnimmt: Welche Ausrüstungsgegenstände wurden/werden benötigt: Kleidung,Gerätschaften, Handwerkszeug („Tools“).
Ziel der Ausstellung, die ein Ausgangspunkt für eine kleine Reise (gedanklich oder real) sein soll, ist die Auseinandersetzung mit Natur. Es wird eine Brücke zwischen der Vergangenheit, wie der Kronprinz der Habsburgermonarchie sie erlebte, und der Gegenwart – wie der Besucher seine Umgebung wahrnimmt, gebaut.
Die Künstlerin Hilde Fuchs gestaltet die Ausstellung in der ihr eigenen Art und Weise, aktiv und modern.
Annemarie Täubling liefert inhaltliche und philosophische Impulse und begleitet die Besucher auf ihrer Reise durch die Vergangenheit oder aber auch real in die Natur.
April 2008, Text: Annemarie Täubling
